Ortsgruppe Ellwangen
                    
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Ellwangen – eine verkannte Schönheit

Stadtansicht von Ellwangen
zur Stadt Ellwangen

Ob in Stuttgart, Ulm, Nürnberg, Augsburg oder München – nirgends findet sich eine Straße, die nach Ellwangen benannt ist. Wenn man im süddeutschen Raum erzählt, dass man aus Ellwangen kommt, so erlebt man immer wieder, dass es verwechselt wird mit Städten mit ähnlich klingenden Namen: in Württemberg mit Wangen im Allgäu, in Bayern aber mit Erlangen. Auch gibt es keine berühmten Persönlichkeiten, die aus unserer Stadt stammen. Zu nennen wäre vielleicht der (aus Rottenburg am Neckar gebürtige) frühere württembergische Staatspräsident Eugen Bolz. Jahrelang hat er den Wahlkreis Ellwangen / Aalen im Berliner Reichstag vertreten; 1945 wurde er als Widerstandskämpfer hingerichtet in Berlin-Plötzensee. In Ellwangen wird er mit einem Denkmal (am Schönen Graben) geehrt.

Aus dem seit 1658 bestehenden Peutinger-Gymnasium sind eine Reihe Seite bedeutender Persönlichkeiten hervorgegangen, hauptsächlich Theologen. - Sogar ein Zeitgenosse, der in Ellwangen lebende Künstlerpfarrer Sieger Köder, erfreut sich eines überregionalen Bekanntheitsgrades. Auch der frühere Oberbürgermeister (2002 - 2008) von Augsburg, Paul Wengert, stammt aus Ellwangen, genauso wie der Namensgeber einer hochwertigen Champagnermarke, Josef Jakob Bollinger (1803-1884).

Ellwangen ist auch nicht durch Katastrophen bekannt geworden. Es hat hier bisher noch keine Landesgartenschau, nicht einmal eine Albvereins-Hauptversammlung (neuerdings „Landesfest" genannt) stattgefunden; im ähnlich strukturierten Ehingen war dies schon zweimal der Fall. Man war in Ellwangen einfach zu bescheiden oder auch zu bequem, wie man es nennen mag, und hat sich nie in den Vordergrund gedrängt.

Nun ist es jedoch gelungen, das Landesfest 2009 (15. - 17.05.), die Hauptversammlung des Schwäbischen Albvereins, nach Ellwangen zu holen. Und auch eine Landesgartenschau würde man gerne in Ellwangen ausrichten. Jedoch war aus der Region Ostalb im Jahre 2006 Heidenheim an der Reihe, und im Jahre 2014 ist die LGS nach Schwäbisch Gmünd vergeben. So muss man wohl noch einige Jahre warten, bis unsere Region wieder den Zuschlag bekommen kann. Ausserdem wurde das für eine LGS ideal geeignete Gelände bei den Schlossweihern unter Naturschutz gestellt und steht damit für eine Gartenschau nicht mehr zur Verfügung.

Exerzitienhaus und Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg (22.02.1993 / WF)
Exerzitienhaus und Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg (22.02.1993 / )
Dabei zählt Ellwangen ganz bestimmt zu den schönsten Städten von Württemberg, neben Esslingen, Schwäbisch Hall, Schwäbisch Gmünd, Tübingen und Rottweil. Selten findet man eine solche Ansammlung bedeutender Großbauten aus verschiedenen Stilepochen in einer kleinen Stadt vereinigt. Allerdings hat der Fremdenverkehr davon noch nicht gebührend Notiz genommen. Früher fand sich im Grünen Michelin-Reiseführer „Deutschland" eine Beschreibung von Ellwangen mit der Einstufung – nicht „ist eine Reise wert“, auch nicht „lohnt einen Umweg“ – aber immerhin „Interessant“. Mit der Wiedervereinigung musste der Inhalt des Buches gestrafft werden, und Ellwangen ist aus dem Verzeichnis gestrichen worden: auf Eichstätt folgt jetzt Emden; früher war dazwischen ein Eintrag für Ellwangen.


In Ellwangen ist das ganze Jahr über viel geboten. Das Theaterprogramm ist natürlich nicht so üppig wie in der Großstadt. Wenn man jedoch nur einmal im Monat die Gelegenheit zu einem Theaterbesuch hat, macht man von dem Angebot vielleicht eher Gebrauch; es entfällt die Qual der Wahl. Hat man jeden Tag die Möglichkeit zum Besuch einer Veranstaltung, besteht auch die Gefahr, dass man den ins Auge gefassten Besuch aus Bequemlichkeit immer weiter aufschiebt.

Das größte lokale Stadtfest ist der Kalte Markt mit einem Umzug durch die Stadt am Montag nach Dreikönig (6.Januar) um 14 Uhr. Am Vorabend um 18 Uhr findet in der Stiftskirche eine Messe mit Hornbläser-Begleitung zu Ehren der „Pferdeheiligen" Eleusippus, Meleusippus und Speusippus statt.

Auch die Fastnacht wird in Ellwangen seit etwa fünfzig Jahren ganz groß gefeiert, was mit der überwiegend katholischen Konfession zu tun hat. Die Nachbarstädte der Umgebung sind dagegen überwiegend protestantisch. In Ellwangen gibt es eine Seite evangelische Kirchengemeinde erst seit der Angliederung ans ursprünglich protestantische Württemberg im Jahre 1802. Die Protestanten stellen einen Anteil von etwa 20 Prozent der Bevölkerung dar.
In der Faschingszeit gibt es mehrere Prunksitzungen der Ellwanger Karnevalsvereine. Mit Spannung erwartet wird am Fastnachtssonntag um 19 Uhr der Durchzug der vermummten Gestalten der „Schwarzen Schar", bekannt auch unter dem Namen „Der Pennäler Schnitzelbank". Mit Fackeln ziehen sie vom Palais Adelmann durch die Innenstadt. Davon spalten sich einzelne Gruppen ab und verlesen in den Gasthäusern Verse über tatsächliche oder erfundene Peinlichkeiten, welche sich im Lauf des letzten Jahres bei den Bürgern der Stadt zugetragen haben:

Alt in unserem Kundenkreis
bleibt Herr Oberlehrer Weis.
Zwilling wollt' sei' Frau ihm schenken,
doch daran ist nicht zu denken:
Eugen Weis macht Politik
und verweigert ihr das Glück!


     weitere Schnitzelbankverse

Einzug der „Schwarzen Schar
Einzug der "Schwarzen Schar" (05.02.1989 / )
Am Faschingsdienstag wird morgens um zehn Uhr der Bürgermeister von der Napo (Narrenpolizei) in Gewahrsam genommen und ins „Fidele Gefängnis" gesteckt. Um 14 Uhr findet ein großer Umzug durch die Ellwanger Innenstadt statt. - Auch im sechs Kilometer südwestlich gelegenen Neuler gibt es am Faschingssonntag um 14 Uhr einen großen Faschingsumzug.

Am letzten Wochenende vor den Sommerferien werden auf dem Schloss unter dem Motto „Beim Fürstprobst zu Gast" die Ellwanger Heimattage abgehalten.

Mitte September wurde einige Jahre lang das Ellwanger Stadtfest mit Beteiligung vieler Vereine durchgeführt. Die Veranstaltung machte offenbar zu viel Aufwand und wurde 2003 von den „Ellwanger Rosstagen" abgelöst.

An Weihnachten und Ostern finden in den Kirchen Orchestermessen statt, allerdings meistens gleichzeitig. Man hat also nicht die Gelegenheit, sich bei zwei Kirchengemeinden musikalisch verwöhnen zu lassen. Aber dies scheint noch nicht als Problem erkannt worden zu sein.

Die beste Aussicht auf die Altstadt hat man vom Schloss. Auch von der südlich gelegenen Schillerhöhe bietet sich beim Schönbornhaus ein schöner Blick auf die Innenstadt. Begibt man sich vom Alamannenmuseum auf die westlich gelegene Benzenruhe und weiter zum Vertriebenen-Denkmal am Galgenwald, so hat man mit Schloss und Schönenberg einen markanten Hintergrund. Ein besonders geeigneter Fotostandpunkt ist die Hochbrücke im Zuge der B 290 über die Bahnlinie. Ausser den großen Stadtkirchen hat man auch hier Schloss und Schönenberg gleichzeitig im Blickfeld. Für die Aussichtspunkte in der weiteren Umgebung mag der Verweis auf Otto Häcker genügen.

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Bearbeitungsstand: 11.08.2011

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