Ortsgruppe Ellwangen
                    
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Die Eisenbahn in Ellwangen

Geschichte

zur Stadt Ellwangen Stadtansicht von Ellwangen

Ellwangen bekam „seine" Eisenbahn, die von Goldshöfe nach Crailsheim führende „Obere Jagstbahn", als Teil der Verbindung von Goldshöfe über Crailsheim nach Heilbronn, im Jahre 1866, und seither ist keine Strecke mehr dazugekommen (als „Untere Jagstbahn" wird die Strecke von Bad Friedrichshall-Jagstfeld über Möckmühl nach Osterburken bezeichnet, einem Teilabschnitt der Verbindung von Stuttgart über Heilbronn nach Würzburg). In der Zeit um 1870 gab es Untersuchungen zum Bau einer Bahnlinie von Ellwangen nach Dinkelsbühl, welche dem Verlauf der ehemaligen Poastkutschenverbindung zwischen Nürnberg und Stuttgart gefolgt wäre. Aber seit 1863 gab es die Bahnverbindung von Stuttgart über Nördlingen und Gunzenhausen nach Nürnberg, und als man nach einer kürzeren Verbindung gesucht hat, entschied man sich schließlich für die 1876 fertiggestellte Verbindung von Crailsheim nach Ansbach.
Zu Beginn des 20.Jahrhunderts gab es Pläne zum Bau einer Lokalbahn von Ellwangen über Röhlingen und Pfahlheim nach Tannhausen, die aber nicht zur Ausführung kamen.

19.08.2007 / WF 25.08.2003 / WF
Intercity Karlsruhe - Nürnberg vor der Altstadt von Ellwangen IC Karlsruhe - Nürnberg überholt in Ellwangen einen Dampfzug

1939 sollte mit dem zweigleisigen Ausbau der Oberen Jagstbahn begonnen werden. Wegen dem Kriegsausbruch konnten diese Pläne damals nicht verwirklicht werden. Erst neuerdings melden sich wieder Politiker mit der Forderung nach dem zweigleisigen Ausbau der Strecke. Der 30 km lange Abschnitt Goldshöfe - Crailsheim ist der einzige eingleisige Abschnitt der Intercity-Verbindung von Stuttgart nach Nürnberg. In der Tat führt dies zu Engpässen bei der Fahrplangestaltung. So gab es jahrelang am Wochenende durchgehende Zugverbindungen von Aschaffenburg über Lauda nach Ellwangen. Mangels Kreuzungsmöglichkeit konnten diese nicht nach Aalen weitergeführt werden. Man musste in Ellwangen auf den IC nach Aalen umsteigen. Im IC werden bekanntlich Nahverkehrsfahrkarten wie das Wochenend-Ticket nicht anerkannt; auch die Fahrradmitnahme hat dort andere Regeln (Reservierungspflicht). Dies hat die Akzeptanz der Verbindung Aschaffenburg - Ellwangen so sehr eingeschränkt, dass sie wieder aufgegeben wurde.

Auf der Strecke wurde zum Sommerfahrplan 1985 als letztem Abschnitt der Verbindung Stuttgart - Nürnberg der elektrische Betrieb eröffnet. Bei diesen Bauarbeiten wurden die Kreuzungsgleise in Schwabsberg und Stimpfach ausgebaut; Kreuzungsbahnhöfe gibt es noch in Ellwangen (insgesamt drei Gleise) sowie in Jagstzell und in Jagstheim. Aufgegeben wurde auch die Gleisverbindung vom Nördlinger Bahnhofsteil in Goldshöfe in Richtung Ellwangen. Gleichzeitig wurde zwischen Ellwangen und Crailsheim das „eilzugmäßige Fahren" eingeführt. Seither hält in Schweighausen(Württ), Stimpfach, Steinbach(Jagst) und Jagstheim kein Zug mehr; allein der Halt in Jagstzell wird noch bedient, allerdings nur alle zwei Stunden (Zugkreuzung jeweils zur vollen geraden Stunde). Die damals vom Bahnanschluss „abgehängten" Ortschaften wurden mit dem angeblich flexibleren Bus bedient, wobei mit Ausnahme von Stimpfach sämtliche Bahnhaltestellen eine günstige Lage zum Ortszentrum hatten. Inzwischen hat man die Busfahrpläne kräftig ausgedünnt, vor allem am Wochenende. An Sonntagen fährt ab Ellwangen kein einziger Linienbus, also auch nicht nach Crailsheim, dagegen läuft der Bahnbetrieb in Richtung Aalen bis gegen 22 Uhr, Richtung Crailsheim sogar bis Mitternacht. So hat man seinerzeit nicht unbedingt die beste Entscheidung getroffen, als man sich den aufgelassenen Bahnhalt durch eine Buslinie ersetzen ließ.

19.08.2007 / WF 07.10.2007 / WF
Nur ausnahmsweise finden in Ellwangen IC-Zugkreuzungen stattZur vollen geraden Stunde: Zugkreuzung in Jagstzell

Mit der Elektrifizierung stieg die Anzahl der durch Ellwangen fahrenden Durchgangsgüterzüge in der Relation Nürnberg - Kornwestheim enorm an. Noch weit nach Mitternacht donnerten schwere Güterzüge mitten durch die Stadt. Dies änderte sich schlagartig, als ab 1996 die Strecke von Crailsheim nach Backnang elektrisch befahrbar war. Die Güterzüge wurden auf diese kürzere Strecke verlegt, über welche man den Rangierbahnhof Kornwestheim ohne das betrieblich aufwendige Kopfmachen erreichen kann (über die Strecke Backnang - Marbach/Neckar - Ludwigsburg). Seither gibt es kaum noch Güterzüge auf der Oberen Jagstbahn. Die lokalen Verlader wurden von der Bahn gekündigt, und in einer Nacht- und Nebelaktion wurden im September 2003 sämtliche Gütergleise in Ellwangen herausgerissen. Nicht einmal die Stadtverwaltung war über diese Aktion informiert. Seither kann in Ellwangen kein Güterwagen mehr abgefertigt werden.

Erhebliches Frachtaufkommen für den Bahntransport stammte von den Holzwerken Rettenmaier & Söhne in der Holzmühle Gde.Rosenberg. Die Verladung erfolgte im 5 km entfernten Jagstzell; zu diesem Zweck wurden dort ein Portalkran und eine Seilzuganlage errichtet. In der Zeit um 1990 war der Bau eines Anschlussgleises von Jagstzell entlang dem Orrotsee zur Holzmühle geplant, was aber nicht ausgeführt wurde. Auch von Seiten der Naturschützer gab es dagegen erheblichen Widerstand. Seit Jahren ist die Bahnverladung in Jagstzell eingestellt; die Anlagen waren im Sept.2007 noch vorhanden, im August 2008 dagegen verschwunden.

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Text und Fotos: Wolfgang Fischer (September 2007; zuletzt aktualisiert: August 2008) wf@wrfm.de

Bearbeitungsstand: 11.08.2011

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